Das erste Jahr – Teil 2

Nachdem der erste Teil den Weg bereitet hat, starte ich in Teil zwei direkt durch und bearbeite die nächste Kontrollfrage

  • Stehen Aufwand und Ertrag in einem Verhältnis, dass ich als lohnend empfinde?

Ich war nie der Illusion erlegen, dass ein Bricklink Shop der Weg ist, schnell und ohne Mühe viel Geld zu verdienen. Geld war nicht der Treiber für den Aufbau des Shops, ich wollte ein tieferes Wissen über einzelne Lego Teile und Farben erlangen und den Prozess einer Unternehmensgründung durchlaufen. Ich finde es nach wie vor sehr spannend voll verantwortlich für den Erfolg (oder auch Misserfolg) einer Unternehmung zu sein und sich nicht darauf zurückziehen zu können dem Arbeitgeber die Schuld zu geben.

Lernen allein wird das Projekt aber nicht langfristig am Leben erhalten, der Shop muss wachsen und dies ist nur möglich, wenn neue Teile gekauft und inventarisiert werden. Geplant habe ich mit einer Startfinanzierung aus privaten Mitteln, 6 Monate wollte ich Geld in den Aufbau des Shops investieren, danach sollte er sich selber tragen. Am Ende wurden es dann knapp 8 Monate Finanzierung, womit ich aber gut leben kann.

Nachstehend zwei Grafiken zum Wachstum der Gesamtanzahl der Steine und Kategorien. Mein Ziel waren ursprünglich 100.000 Teile in 4.000 Kategorien.

Der Erkenntnisgewinn erstreckte sich auf viele weitere Themengebiete wie die Optimierung von Versandprozessen, Marketing, Kundenkommunikation, Steuern und rechtlichen Fallstricken wie den zahlreichen Abmahnfallen.

Am Ende vom Tag motivieren mich aber auch Verkäufe. Was hilft es ein Geschäft zu lernen und Geld zu investieren, wenn niemand einkauft.

Ich habe im Vorfeld mit etwa 10h Arbeit pro Woche als Aufwand gerechnet. Den Großteil der Zeit würde die Inventarisierung von neuen (und gebrauchten) Steinen in Anspruch nehmen, ich hatte (viel zu konservativ) mit einer Bestellung pro Woche geplant, so dass für den Teil nur 5-10% der Zeit veranschlagt waren.

Am Ende hatte ich 1,3 Bestellungen pro Tag und der Aufwand ist damit auf etwa 16h die Woche gestiegen. Die Aufnahme neuer Teile ist aus Zeitgründen ins Wochenende verlegt worden, sodass ich unter der Woche etwa 1h pro Tag mit den Bestellungen verbringen konnte.

Ob sich der Aufwand finanziell lohnt, ist für mich derzeit schwer einzuschätzen. Ich hatte einmalige Kosten im ersten Jahr für die Lagerung der Steine und Figuren, die zukünftig nicht mehr in der Größenordnung anfallen werden. Wenn ich die Einnahmen, sowie den jetzigen Inventarwert des Stores, gegen die Ausgaben in 2022 rechne, bin ich sehr zufrieden. Ich wäre aber überhaupt nicht zufrieden, wenn mir die Arbeit mit Lego keine Freude bereiten würde.

Würde es mir rein um das Geld gehen, wäre ein Minijob auf 520EUR Basis mit ähnlichem Zeitaufwand definitiv zu bevorzugen da viele Risiken die mit einer Selbstständigkeit einhergehen nicht berücksichtig werden müssen.

Fazit: Für mich standen Aufwand und Ertrag in 2022 in einem lohnenswerten Verhältnis, ohne zu wissen ob dies in Zukunft weiterhin so sein wird.